Tage der Orientierung in Taizé

Tage der Orientierung in Taizé

Tausende Jugendliche aus den unterschiedlichsten Ländern in Taizé, ein allwöchentlich wiederkehrendes ganz besonderes Erlebnis.

Am Mittwoch den 18.07.2018 ging es für 120 Schüler aus dem Raum Gmünd los in Richtung des französischen Klosters. Wie schon in den vergangenen Jahren fahren aus Heubach die Realschule und das Rosenstein-Gymnasium, aus Gmünd das HBG, das Parler und die Agnes-von-Hohenstaufen-Schule und aus Mutlangen die Hornbergschule und das Franziskus Gymnasium für fünf Tage ins Burgund. Durch das bekannte Verkehrschaos in und um Stuttgart verlängerte sich die Fahrtzeit, so dass die Reisenden erst nach elfeinhalb Stunden die Communauté Taizé erreichten – aber zum Glück noch rechtzeitig zum Abendessen.  Anders als im Vorjahr konnte der Zeltaufbau im Anschluss ohne Regenguss gemeistert werden und alle hatten dann am Abend die Möglichkeit wieder oder zum ersten Mal im klostereigenen Kiosk „Oyak“ Taizéluft zu schnuppern.

Am nächsten Tag wurden die Schüler durch unsere Lehrer um Punkt 7.15 Uhr aus dem Schönheitsschlaf gerissen („Guten Morgen, alle aufstehen!“) und waren somit pünktlich für das Morgengebet mit Kommunionausteilung in der, doch etwas anderen, Kirche. Für diejenigen, die Taizé das erste Mal besuchten, war die Art und Weise, wie der Gottesdienst abgehalten wurde, sehr überraschend und neu. In Taizé sitzt man in der Kirche auf dem Boden und singt die Lieder und hört die Lesungen, Fürbitten etc. in den unterschiedlichsten Sprachen. Mittelpunkt eines jeden Gottesdienstes ist die fünf bis zehnminütige Zeit des Schweigens. Nach dem Gebet war es dann Zeit für das bei allen Schülern sehr beliebte Butter-Schokoladen-Brötchen-Frühstück. Um zehn begann dann die Bibeleinführung durch den durchaus humorvollen Bruder Maxime. Anschließend wurden die Schüler in Bibelkleingruppen eingeteilt, in denen die von Bruder Maxime angesprochenen Texte weiter diskutiert wurden und eigene Deutungen und Meinungen eingebracht werden konnten. Bei der Gruppeneinteilung wurde Wert daraufgelegt, dass Jugendliche von unterschiedlichen Schulen zusammenkamen. So konnten viele verschiedene und interessante Geschichten und Erlebnisse ausgetauscht werden. Nach getaner Arbeit war der Hunger dann aber natürlich groß. Doch bevor es zum Mitttagessen ging stand noch das Mittagsgebet an. Nach etwas freier Zeit nach dem Essen, die für einen Spaziergang zur Quelle oder zum Knüpfen neuer Kontakte genutzt werden konnte, traf man sich wieder in den Kleingruppen. Jeweils zwei bis vier dieser Kleingruppen wurden zu größeren zusammengelegt, welche die Aufgabe bekamen eine Bibelstelle zu einer maximal vierminütigen Oper umzuschreiben und diese dann am nächsten Tag den anderen Gruppen vorzuführen. Nach einer Stärkung durch Tee und Kekse hatten die Schüler dann die Möglichkeit unterschiedliche Workshops zu besuchen. So gab es unter anderem einen Workshop über Lateinamerika, in dem die unterschiedlichen Länder durch Kleinigkeiten zu Essen, sowie Tänze vorgestellt wurden. Pünktlich um sieben entstand dann wie an jedem Tag die riesige Schlange vor der Essensausgabe, in der grundsätzlich die eigentliche Essensbegleitung (Freunde) verloren gingen und dafür neue Bekanntschaften gemacht wurden – schließlich hatte man ja auch dasselbe Ziel, das Abendessen. Um nach dem anstrengenden Tag nochmal Ruhe zu finden, fand man sich um halb neun zum Abendgebet zusammen. Wer danach immer noch überschüssige Energie hatte und Zeit mit seinen neuen Freunden verbringen wollte, konnte wieder zum „Oyak“. Dort wurde dann gesungen und Gitarre oder auch gemeinsam Gruppenspiele gespielt. Wer nach der Schließung des „Oyak“ noch nicht genug hatte, konnte noch in die Kirche gehen, in der bis weit in die Nacht Taizélieder gesungen wurden.

Bis zum Abend verlief der darauffolgende Tag wie ein „normaler“ Taizetag ab. Doch da die Gottesdienste jeder Woche in Taizé an die Osterwoche angelehnt sind, besteht freitags die Möglichkeit nach dem Gebet in den Altarraum zu gehen, um am für diesen Abend auf dem Boden liegenden Kreuz zu beten.

Am Samstagvormittag dann fand die letzte Bibelstunde in den teilweise schon stark zusammengewachsenen Kleingruppen statt. Nachmittags konnten die Schüler zwischen einem Ausflug nach Cormatin oder Cluny, einer Gesprächsrunde mit einem der Brüder, Workshops oder Zeit für sich auf dem Gelände oder an der Quelle wählen. Während der Gesprächsrunde erzählte Bruder Phillip unter anderem, dass die Brüder aus einer Gemeinschaftskasse leben. Die einzige Einnahmequelle ist dabei die „Exposition des Ateliers“, wo Liederbücher und die bekannten Taizéketten verkauft werden.

Am Sonntagmorgen, dem Abreisetag für die Heubacher und Gmünder Schulen hieß es dann Zeltabbau für alle. Der anschließende Abschlussgottesdienst ähnelte einem katholischen Sonntagsgottesdienst. Die Predigt hielt der anglikanische Erzbischof von York, John Sentamu. Seine Enkelin hatte ihn einmal gefragt, wie sehr Gott sie liebe und mit weit ausgebreiteten Armen hatte er ihr erklärt: „God loves you this much!“ Diese Szene aus seinem Leben zelebrierte er auch in seiner Predigt und sorgt damit für eine positive Stimmung bei den Jugendlichen. Nach diesem schönen Abschluss waren sich die Schüler alle einig, dass sich die Fahrt sowohl wegen des Knüpfens neuer Kontakte, als auch zur Findung von Ruhe und das Führen toller Gespräche allemal gelohnt hat.

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